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Wilhelmshaven
Die Geschichte der Stadt
KW-Brücke

::1853 ::1870 ::1900 ::1918 ::1946 ::1953 ::1970 ::1985 ::2000

Während der Revolutionswirren der Jahre 1848/49 wurde die deutsche Küste von den relativ kleinen Marinestreitkräften Dänemarks wirkungsvoll blockiert. Diese Blockade bewirkte den Entschluß des Königreiches Preußens, eine eigene Kriegsflotte zu schaffen, um die deutschen Küsten wirkungsvoll zu schützen. An der deutschen Nordseeküste fehlte Preußen jedoch ein geeigneter Hafen, um diese Pläne umzusetzen. Der Vorschlag eines oldenburgischen Geheimrates brachte die Jaderegion als neuen Standort des Kriegshafens ins Spiel. Dieses Gebiet gehörte zur der Zeit zum Gebiet des Großherzogtums Oldenburg. Lange Verhandlungen zwischen Preußen und Oldenburg waren nötig, bis alle Schwierigkeiten zum Erwerb dieses Areals aus dem Weg geräumt waren. Erst am 20. Juli 1853 konnte der Kaufvertrag unterzeichnet werden. Am 23. November 1854 wurde das Gebiet unter dem Namen "königliches preußisches Jadegebiet" an Prinz Adalbert von Preußen, seines Zeichens Admiral der preußischen Marine, übergeben. Das neu erworbene Gebiet war ca. 313 ha groß und an der Nordwestecke des Jadebusens gelegen.

::Lageplan von 1853Lageplan von 1853

Die preußische Admiralität übertrug dem Geheimrat ::Gotthilf Heinrich Ludwig Hagen die Leitung an den Planungen für den "ersten deutschen Kriegshafen an der Jade". Hagen, ein Ingenieur und Fachmann auf dem Gebiet des Wasserbaus, wurde von seiner Tätigkeit im Preußischen Handelsministerium beurlaubt und übernahm den Vorsitz der am 8. Juli 1855 gegründeten Hafenbau-Kommission im neuen preußischen Jadegebiet. Nachdem ihn die Entwürfe zweier international bekannter Sachverständiger nicht zufriedenstellten, legte er der preußischen Admiralität am 29. Mai 1856 einen eigenen Hafenentwurf vor. Dieser Hafenentwurf war von großer Weitsicht und Sachverstand geprägt, weil der Entwurf die zunächst noch geringen Anforderungen der preußischen Admiralität erfüllte und doch problemlos Platz für später notwendige Erweiterungen und Ergänzungen berücksichtigte. Der Hagen'sche Hafenplan mit Befestigung und Stadtansiedlung für das "Marine-Etablissement" erhielt am 25. Juni 1856 die Zustimmung und Genehmigung durch Kabinettsorder König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Nach Abschluss der Planungen kehrte er am 12. August 1856 in das Preußische Handelsministerium zurück. Die Umsetzung des Planes erfolgte im darauffolgenden Jahrzehnt mit mancherlei Änderungen, die sich aber größtenteils aus der nicht still stehenden Entwicklung von Hafen- und Schiffbau ergaben. Der Plan bestimmt noch heute den Grundriß des Stadtkerns.

Der Hagen'sche Plan sah zunächst eine Einfahrt mit Seeschleuse (spätere 2. Einfahrt) vor, in deren Verlängerung ein Hafenkanal mit einem Bauhafen (heutiges Marinearsenal) angelegt werden sollte. Dieser sollte zunächst nur als Ausrüstungs- bzw. Reparaturplatz genutzt werden. Erst später dachte man auch an die Errichtung einer Werft zum Bau neuer Schiffe. Das Hafenbecken wurde ca. 2 km von der Einfahrt entfernt angelegt, um die dort liegenden Schiffe vor den Beschuß feindlicher Schiffsartillerie zu schützen.

Die nötigen Ausschachtungsarbeiten für das geplante Vorhaben wurden zu damaligen Zeiten noch mit Spaten und Schubkarren durchgeführt. Die vielen Leute, die unter diesen Bedingungen beim Bau der Hafenanlagen halfen, mußten untergebracht und versorgt werden. So entstand während der mehrjährigen Bauzeit eine kleine Ansiedlung südlich und westlich des Hafens. Diese Ansiedlung dehnte sich während der Jahrzehnte weiter nach Westen und Norden aus.

Die wichtigsten Voraussetzungen für dieses Wachstum waren bessere Verkehrsanbindungen. Die Siedlung wurde an die Chaussee nach Sande angebunden und bereits zum 5. Juni 1867 erfolgte die Eisenbahnanbindung des "Marine-Etablissements" an die Strecke Oldenburg-Bremen.

Erst anläßlich des Besuchs von König Wilhelm I. von Preußen am 17. Juni 1869 zur Grundsteinlegung der Elisabethkirche (heutige Christus- und Garnisonkirche) wurde der Hafen inklusive der anschliessenden Siedlung eingeweiht und auf den Namen "Wilhelmshaven" getauft. Der feierliche Akt erfolgte in Anwesenheit der Großerzöge von Oldenburg und Mecklenburg, Prinz Adalbert, Bismarck, Roon und Moltke. Auf dem von Hafenbaudirektor Heinrich Göker erstellten Entwurf zur Taufurkunde hatte die Berliner Ministerialbürokratie die Schreibweise von "Wilhelmshaven" in "Wilhelmshafen" geändert. Göker hatte den Namen nach niederdeutscher Schreibweise mit "v" geschrieben und in Berlin hatte man den vermeintlichen Schreibfehler korrigiert. Göker machte Kriegsminister Roon auf diesen Umstand aufmerksam und dieser wiederum den König, der sich dann für die ursprünglich niederdeutsche Variante mit der Bemerkung entschied: "Ich habe es ja auch gleich so ausgesprochen, lieber Roon!".

Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/71 setzt ein Aufschwung ein. Wilhelmshaven wird nach der Kaiser-Proklamierung und Gründung des Deutschen Reiches 1871 Reichskriegshafen. Weitere Kasernenanlagen für die Marine und das erste Marinelazarett entstehen. Westlich der Werft wird der Adalbertplatz mit den Stationsgebäuden und vielen im Potsdamer Stil gehaltenen Wohnhäuser für Offiziere und Beamte der Marinegarnison angelegt. Zwischen diesem Platz und der Garnisonkirche wird eine grüne Parkanlage, der Friedrich-Wilhelm-Platz geschaffen. Weitere Stadteile entstehen, denen man nach dem siegreichen Krieg die Namen von französischen Städten oder Landschaften z.B. Lothringen, Elsaß, Sedan oder Straßburg gibt. Die Werft wird vergrößert und erhält 1876 eine hohe Mauer mit dem heute noch zu sehenden Werfttor I. Am 1. April 1873 erhält Wilhelmshaven die erste Kommunalverfassung und wird damit zur Stadt 2. Klasse, also ohne Polizeirechte, erklärt. Am 2. April 1874 wird der 1. Bürgermeister Johannes Nakczinsky in sein Amt eingeführt.

::Lageplan von 1873Lageplan von 1873

Auf oldenburgischer Seite wuchsen die Ansiedlungen Tonndeich und Kopperhörn. Sie boten jedoch nicht Platz genug. So entstand zwischen 1871 und 1879 im Westen der Stadt Wilhelmshaven an der späteren Werftstraße eine weitere Wohnkolonie, Belfort genannt. Gebaut wurde die Siedlung von dem Ziegeleibesitzer Alfred de Cousser. De Cousser erkannte den Bedarf an Wohnraum für die bei der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven tätigen Arbeiter. Im preußischen Wilhelmshaven war der Wohnraum knapp und so baute de Cousser an der Grenze zu Wilhelmshaven auf oldenburgischem Gebiet einstöckige Doppelhäuser aus Klinker seiner Ziegelei. Die kostengünstigen Wohnhäuser waren zwar nur ca. 50 m² groß, hatten jedoch alle einen eigenen kleinen Garten sowie ein sauberes Umfeld durch gepflasterte Straßen und einer Entwässerung zum Banter Siel. Der Erfolg blieb nicht aus. Die Werftarbeiter, viele von ihnen stammten aus den eher dörflich geprägten preußischen Ostgebieten, zogen die kleinen Häuser den Wilhelmshavener Mietskasernen eindeutig vor. Die Preußische Admiralität kaufte 1874/1875 alle bis dahin erstellten 107 Zweifamilienhäuser- und 9 Vierfamilienhäuser und erteilte de Cousser ab 1874 den Auftrag für weitere 35 Doppelhäuser; ab 1876 für nochmals 88 Doppelhäuser südlich der Bahnlinie. Die Baukosten pro Wohnung wurden vertraglich auf 1250 Reichstaler begrenzt. Die so in weniger als 10 Jahren entstandene Siedlung mit ihren rund 500 Wohnungen zählte schon 1877 über 3400 Einwohner. Am 1. November 1879 wurde hier die selbständige oldenburgische Gemeinde Bant gegründet. Der Name geht auf ein durch die Antoniflut 1511 vernichtetes Kirchspiel zurück. Die Einwohner dieser Gemeinde waren zu zwei Dritteln Arbeiter der Marinewerft oder anderer Marinebetriebe.

Während im Westen die Gemeinde Bant entstand, so wuchs im Norden das alte Dorf Heppens. Hatte es sich bereits mit Neu-Heppens in Richtung der Hafenanlagen ausgedehnt, so verdoppelte sich Heppens nach 1879 mit jedem Jahrzehnt. Tonndeich und Kopperhörn wuchsen mit Neu-Heppens zusammen und in nördlicher Richtung wuchs es entlang der Gökerstraße bis an den Mühlenweg, einem alten Deichverlauf.

Mit der zunehmenden Wichtigkeit des Deutschen Reiches wuchs auch die Flotte. In ständig steigenden Umfang wurden die Schiffe im Bereich der überseeischen Gebiete oder Handelsniederlassungen eingesetzt. Vielfach liefen die Schiffe zu diesen Reisen von Wilhelmshaven aus. Bald reichten die Hafenanlagen nicht mehr aus. Insbesondere reichte die einzige Schleuse nicht aus. 1875 wurde mit dem Bau einer weiteren Einfahrt mit Seeschleuse ( spätere 1. Einfahrt ) begonnen. Gleichzeitig wurden die Hafenanlagen durch den Bau des Verbindungshafen, des Ausrüstungshafen und der Alten Torpedowerft erweitert und mit dem 1880 begonnen Ems-Jade-Kanal verbunden. Am 18. November 1886 konnten die erweiterten Hafenanlagen mit der Durchschleusung der S.M.S. "Friedrich Karl" in Betrieb genommen werden. Zwei Jahre später, am 5. Juni 1888 konnte dann auch die Fertigstellung des Ems-Jade-Kanals gefeiert werden.

::Lageplan von 1900Lageplan von 1900

Zur Jahrhundertwende bedingte das Flottengesetz von 1900 eine sprunghafte Weiterentwicklung. Für die Stationierung des Geschwaders der von Tirpitz aufgebauten Hochseeflotte wurde es erforderlich, die Werft und den Hafen erheblich zu erweitern. Neben der Anlage des Nordhafens wurde nach dem Bau einer neuen Deichlinie zwischen der 1. Einfahrt und Mariensiel die große Süderweiterung des Hafenareals ( Großer Hafen, Zwischenhafen und Westhafen) durchgeführt. Im Zuge dieser Baumaßnahme entstand die große doppelkammerige Schleuse der 3. Einfahrt, die in gerader Verlängerung des alten Hafenkanals angelegt wurde. Die Abmessungen der beiden Kammern waren mit 250m x 40m ( bei einer Wassertiefe von 10m bei Niedrigwasser ) so großzügig angelegt, daß durch diese Schleuse auch noch 1939 die neu erbauten Schlachtschiffe "Tirpitz" und "Scharnhorst" geschleust werden konnten. Desweiteren wurde zwischen 1. Einfahrt und 2. Einfahrt ein festes Pontonhaupt, das Hafentor errichtet. Es diente zum Schutze der Häfen für den Fall, daß eine der Schleusen beschädigt oder zerstört werden würde. So konnte niemals der ganze Hafen leerlaufen. In diesem Bauabschnitt um 1907 entstand auch die "Kaiser-Wilhelm-Brücke". Sie war die größte Drehbrücke Europas und führte in 9m Höhe über den Verbindungshafen.

Auf oldenburger Seite entstand am 1. November 1902 aus den bisherigen Gemeinden Bant, Heppens und Neuende der Amtsverband Rüstringen. Das Ziel dieser drei Nachbargemeinden Wilhelmshavens war die Vereinigung zu einer gemeinsamen Stadt. Aber es dauerte noch bis zum 1. Mai 1911, bis dieser Wunsch in Erfüllung ging. Zum ersten Bürgermeister der Stadt Rüstringen ernannte man den bisherigen Bürgermeister von Heppens Dr. Lueken. Zu dieser Zeit arbeiteten ca. 8.250 Menschen auf der Kaiserlichen Werft. Die Einwohnerzahl betrug in Wilhelmshaven ca. 19.850 Menschen, in der oldenburgischen Nachbarstadt Rüstringen waren es jedoch schon ca. 46.250 Menschen.

Während des 1. Weltkrieg war die Doppelstadt Wilhelmshaven-Rüstringen die größte deutsche Garnisonsstadt. Der Seekrieg wurde zum größten Teil in der Nordsee ausgefochten. Dadurch bedingt lag ein Großteil der gesamten deutschen Flotte in Wilhelmshaven oder war auf Schillig-Reede vor Wilhelmshaven stationiert. 1916 erreichte Wilhelmshaven mit einer Einwohnerzahl von ca. 81.900 Menschen einen vorläufigen Höhepunkt. Die kaiserliche Werft beschäftigte zu dieser Zeit ca. 15.000 Menschen.

Nach dem verlorenen 1.Weltkrieg mußte die deutsche Flotte an die Alliierten Mächte übergeben werden. Am 23. November 1918 lief die deutsche Flotte nach Scapa Flow aus und wurde dort interniert. 1919 wurden die Schiffe von ihren Besatzungen auf Befehl von Vizeadmiral v. Reuter versenkt. Wilhelmshaven war damit seine Existenzgrundlage entzogen worden. Erst ganz langsam entstand nach der Gründung der Weimarer Republik wieder eine kleine Reichsmarine. Die Größe des Schiffsbestandes und die Mannschaftsstärke war durch den Versailler Vertrag auf geringen Niveau festgeschrieben. Erste Aufgabe war die Aufstellung von Mienenräumverbänden, die die zahllosen Minen in der Nordsee räumen sollten. Zur Instandhaltung dieser Verbände wurden die bestehenden Marinebetriebe einschl. der Marinewerft in erheblich verkleinertem Umfange weiter betrieben. Die Marine war nur noch ein kleiner Wirtschaftsfaktor für Wilhelmshaven.

::Lageplan von 1921Lageplan von 1921

Es folgten vielfache Bemühungen um neue wirtschaftliche Grundlagen für die beiden Jadestädte. Die zwei Bereiche Luftverkehr und Fremdenverkehr ( Badebetrieb ) wurden mit Erfolg betrieben. Am 25. Juli 1927 wurde der Flugplatz Mariensiel eingeweiht. Danach wurde die "Luftverkehrsgesellschaft Wilhelmshaven-Rüstringen" gegründet, die die beiden Jadestädte mit dem deutschen Luftverkehrsnetz und den Nordseeinseln verband.
Die Verbindung zu den Inseln mit dem Schiff war ein weiteres Standbein und zog so alljährlich zigtausende Besucher an. Um den Fremdenverkehr weiter zu stärken, schuf die Stadt Wilhelmshaven 1928 am Südstrand die Strandanlagen mit den fünf Strandhäusern und baute die Strandhalle großzügig um.

Am 11. Oktober 1929 wurde die Einweihung des von Prof. Fritz Höger erbauten Rüstringer Rathaus gefeiert. Dieses markante Klinkergebäude mit dem 49m hohen Turm war gleichzeitig ein neuer Teil der Rüstringer Trinkwasserversorgung, da sich im Turm ein Wasserbehälter von 920 m³ befand.

Die Wiedererlangung der Wehrhoheit 1935 brachte einen neuen Aufschwung für die Jadestädte. Das im gleichen Jahr unterzeichnete deutsch-britische Flottenabkommen machte es möglich, das die Marinewerft in Wilhelmshaven in verstärktem Maße Neubauaufträge erhielt. So wurden die beiden Schlachtschiffe "Scharnhorst" (Stapellauf 3.10.1936) sowie die "Tirpitz" (Stapellauf 1.4.1939) auf der Marinewerft in Wilhelmshaven gebaut. Die Verbesserung der Beschäftigung zog neue Arbeiter in die Stadt. Neue Stadtteile wie das Hansa-Viertel oder das Insel-Viertel entstanden.

Mit der Planung und dem Bau immer größerer Schlachtschiffe wurde es notwendig, über eine neue neue Schleusenanlage nachzudenken. Als Areal für die 4. Einfahrt wurde das an den Nordhafen anschließende Gelände ausgewählt. Vor der neuen Schleusenanlage wurde ein großer, breiter Vorhafen mit Liegeplätzen und Versorgungsmöglichkeiten geplant. Die Maße der Doppelschleuse waren mit 350m x 60m ( bei einer Wassertiefe von 16,75m ) einzigartig auf der Welt. Der sich nach innen anschließende Nordhafen wurde erheblich erweitert und auf die Tiefe der Schleusen gebracht.. Anfang 1936 wurde mit dem Bau begonnen. Bereits nach sechsjähriger Bauzeit konnte am 7. November 1942 die Ostkammer der 4. Einfahrt ihren Betrieb aufnehmen.

Am 1. April 1937 erfolgte der Zusammenschluß der Städte Wilhelmshaven und Rüstringen auf Grundlage des Groß-Hamburg-Gesetzes vom 26. Januar 1937. Die neue Stadt erhält den Namen Wilhelmshaven. Das Stadtgebiet wird am 14. Juni 1938 durch Eingemeindung von Aldenburg, Fedderwardergroden, Himmelreich, Coldewei, Kniphausersiel, Langewerth, Schaardeich und Steindamm auf 5018 ha vergrößert. Durch die im Zuge des Baus der 4. Einfahrt eingedeichte Fläche des Heppenser Grodens werden weitere 503 ha gewonnen. Im selben Jahr wird Wilhelmshaven mit 100.000 Einwohnern Großstadt. 1940 erreicht Wilhelmshaven mit 133.000 seine höchste Einwohnerzahl.

Kurz nach Beginn des 2. Weltkrieges beginnt der Luftkrieg über Wilhelmshaven, der die Stadt in den folgenden Jahren fast völlig zerstört. 102 Luftangriffe werden gezählt. Ganze Stadtviertel werden ausradiert. Die größten Zerstörungen richten die Bombenangriffe im Jahre 1944 an. Auf die Stadt werden 11.045 Sprengbomben und 73.205 Brandbomben abgeworfen. Jedoch werden nur 510 Personen getötet. Dies ist auf die hohe Zahl der Luftschutzeinrichtungen wie Bunker und Luftschutzkeller zurück zu führen. Noch heute bestimmen einige Bunkerruinen das Stadtbild. Bei der Kapitulation der Stadt am 6. Mai 1945 bewohnen noch 54.700 Einwohner die zerstörte Stadt.

Zum Ende des Krieges besetzten starke Heeresverbände der Alliierten, in der Hauptsache polnische Soldaten, die Stadt. Dabei konnte ein Kampf um die Stadt verhindert werden. Die Zerstörungen des Stadtgebietes waren äußerst schwer, jedoch waren der Hafen und die 4 Schleusen intakt. Die Marinewerft war zu 60-70% arbeitsfähig. Ab Mai 1945 wurden die verbliebenen deutschen Kriegsschiffe aller Art in Wilhelmshaven gesammelt und durch die Werft im alliierten Auftrag wieder instand gesetzt oder gehalten. Im Dezember 1945 teilen die Alliierten die Schiffe unter sich auf und ab Januar 1946 verließen die Schiffe nach und nach den Hafen. Am 5. Januar 1946 gab der britische "Naval Officer in Charge" (NOIC) bekannt, daß auf Anordnung der britischen Regierung die gesamten Hafenanlage einschließlich der Schleusen und der Marinewerft zerstört werden sollten. Der zunächst einfache Plan der Briten sah vor, die Schleusen zu zerstören und ganz Wilhelmshaven zu fluten. Erst nach zähen Verhandlungen ließen sich die Briten umstimmen. Stattdessen wurde durch die 2., 3. und 4. Einfahrt ein Deich gezogen. Anschließend wurden die Schleusen gesprengt. Die 1. Einfahrt blieb zum Entwässern des Ems-Jade-Kanals intakt. Weiterhin wurden die Hafenbecken durch mehrere Dämme unterteilt. Ein Damm trennte bei der Banter Ruine den Westhafen vom Großen Hafen ( er besteht übrigens heute noch ). Ein weiterer Damm in Höhe der heutigen Jachmann-Brücke trennte den Bauhafen vom übrigen Hafen ab und der Nordhafen wurde durch einen Damm am neuen Hafentor zum Binnensee gemacht. Die Werftanlagen und alle Einrichtungen wurden demontiert und in die Sowjetunion Richtung Murmansk verschifft. Anschließend begann die Sprengung von Gebäuden, Docks und Hellinge. Die Sprengungen dauerten bis in das Jahr 1949 und setzten mit ihren starken Erschütterungen den übriggebliebenen Gebäuden zu.

Während die Hafenanlagen demontiert und gesprengt wurden, beseitigte man in der Stadt die Trümmer und leitet so den Wiederaufbau ein. Es gibt hoffnungsvolle Ansätze von Industrieansiedlungen. Die Olympia-Schreibmaschinenwerke aus Erfurt nehmen in Roffhausen vor den Toren Wilhelmshavens die Produktion auf. Aus Eberswalde ziehen die Ardeltwerke in die Stadt. Aus ihnen entsteht die Kranbaufirma Krupp-Ardelt. Weitere Betriebe aus ehemaligen ost- und mitteldeutschen Gebieten zieht es nach Wilhelmshaven. Auch der Fremdenverkehr läuft mit der Wiedereröffnung des Südstrandes am 16. Juni 1946 in sehr bescheidenen Maßen wieder an.

Im Oktober 1946 wird Wilhelmshaven zusammen mit dem Land Oldenburg in das Land Niedersachsen eingegliedert. Am 12. Dezember 1947 beschließt der neue niedersächsische Landtag die Errichtung der Hochschule für Arbeit, Politik und Wirtschaft. Sie findet im Ortsteil Rüstersiel ihren Platz. Auch die Pädagogische Hochschule für Gewerbelehrer und die Pädagogische Hochschule für landwirtschaftliche Lehrer werden in Wilhelmshaven heimisch. Leider jedoch nur für eine begrenzte Zeit, denn ab den frühen 60er Jahren verlassen die Hochschulen nacheinander die Stadt. Am 1. April 1961 wird die Pädagogische Hochschule für Gewerbelehrer nach Hannover verlegt. Ihr folgt genau ein Jahr später die Eingliederung der Hochschule in Rüstersiel in die Landesuniversität Göttingen und als letzte verläßt 1969 die Hochschule für landwirtschaftliche Lehrer Wilhelmshaven. Als Trost verbleiben die Wirtschaftsfachschule (ab 1968 Akademie für Betriebswirte ) und die 1963 eröffnete Staatliche Akademie für Ingenieure. Beide werden 1971 zur Fachhochschule Wilhelmshaven vereinigt. In einem neuerstellten Gebäude an der Friedrich-Paffrath-Straße werden die Studienrichtungen Elektrotechnik, Maschinenbau, Feinwerktechnik, Wirtschaft und Wirtschaftingenieurwesen angeboten.

1948 zählt Wilhelmshaven wieder 100.000 Einwohner.

Am 20. Juli 1953 wird mit vielen Veranstaltungen der 100. Wiederverkehr der Unterzeichnung des Jadevertrages gedacht.

::Lageplan von 1953Lageplan von 1953

Ab 1955 hat auch Wilhelmshaven seinen Anteil am deutschen Wirtschaftswunder. Ein merkbarer wirtschaftlicher Aufschwung setzt ein. Und auch die Marine tritt wieder in Erscheinung. Nach der Unterzeichnung der Pariser Verträge im Sommer 1954 stellt die Bundesrepublik Deutschland wieder eigene Truppen auf. In Wilhelmshaven wird in der Kaserne Ebkeriege die 1. Kompanie der Schiffsstammabteilung der neuen Bundesmarine aufgestellt. Am 6. Juni 1956 treffen die ersten Schiffe der neuen Bundesmarine in Wilhelmshaven ein. Wilhelmshaven ist wieder Heimathafen mehrerer Geschwader von Schnellbooten, Minensuchbooten, Zerstörern und Fregatten.

Ende 1956 wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Mehrere deutsche und ausländische Ölgesellschaften gründen am 15. November 1956 die Nordwest Ölleitung GmbH ( NWO ) mit Sitz in Wilhelmshaven. Die NWO entwickelt den Plan zum Bau einer Erdölumschlagsanlage und einer 390 km langen Pipeline von Wilhelmshaven nach Köln-Wesseling, um mehrere Raffinerien im rheinisch-westfälischen Ruhrgebiet zu versorgen. Die Umschlagsanlage wird im Heppenser Groden errichtet und besteht aus der Tankerlöschbrücke am tiefen Jadefahrwasser sowie dem riesigen Tanklager hinter dem Verwaltungsgebäude der NWO direkt am Deich. Bereits am 29. November 1958 können die ersten Tanker ( "Esso Frankfurt" - 26.650t und "British Energy" - 35.340t ) den neuen Ölhafen Wilhelmshaven anlaufen und ihre Rohöl-Ladungen löschen. Ab dann machen jährlich ca. 500 Schiffe an der Tankerlöschbrücke fest. 1960 werden bereits über 10 Millionen t Öl angelandet. Die Bundesrepublik fördert die Entwicklung und vertieft das Jadefahrwasser kontinuierlich. Somit entsteht der "einzige Tiefwasserhafen Deutschlands", der auch heute noch das wichtigste wirtschaftliche Standbein der Stadt ist.

Nachdem die Schiffe der neuen Bundesmarine wieder Leben in den inneren Häfen gebracht hatten, stellte sich die Frage nach einer neuen Schleuse. Die einzig noch existierende Schleuse der 1. Einfahrt war 1886 gebaut worden und war schon lange nicht mehr den Erfordernissen gewachsen. Den Überlegungen zum Neubau einer 5. Einfahrt gab man eine Absage zugunsten des Wiederaufbau der 4. Einfahrt. Die verbliebenen Bautteile waren trotz der Sprengung der Schleusenhäupter noch in beträchtlichen Maßen verwendbar. Im Herbst 1959 beginnt der Wiederaufbau. Gleichzeitig wird mit dem Bau eines 93 ha großen Vorhafen begonnen. Dieser bietet dem daran anschliessenden neuen Marinestützpunkt ca. 3800 m Liegeflächen an den Kajen und den zusätzlichen Liegebrücken. Der Wiederaufbau der Schleuse, "Jadeschleuse" genannt, wird am 3. Oktober 1964 abgeschlossen. Am 1. März 1965 erfolgt die Inbetriebnahme der Schleusen. Die Schleuse der 1. Einfahrt wird daraufhin geschlossen und später mit einem Betonriegel verschlossen.

Neben den neuen Hafenanlagen entsteht aus kleinen Anfängen auf dem Gelände der ehemaligen kaiserlichen Werft rund um den Bauhafen das Marinearsenal, ein hochtechnischer Betrieb zur Instandhaltung der schwimmenden Marineeinheiten und ihrer technischen Ausrüstung. Das Marinearsenal ist dem Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung unterstellt und ist seit seiner Einrichtung 1957 einer der größten Arbeitgeber der Stadt Wilhelmshaven.

Weitere Unternehmen wurden am seeschifftiefen Fahrwasser der Jade angesiedelt. Im April 1970 gab das schweizer Unternehmen Aluminium AG "Alusuisse" die Gründung einer deutschen Tochtergesellschaft mit dem Namen Alusuisse Atlantik GmbH in Wilhelmshaven bekannt. In den darauffolgenden Jahren entstand ein Werk zur Chloralkali-Elektrolyse im Rüstersieler Groden (Inbetriebnahme 1972). Die mit der Ansiedlung des Chemiewerkes geplanten Erweiterungen führten dazu, dass die niedersächsische Regierung weitere Projekte anschob. Hierzu gehörten der Bau eines Massengutumschlagspier (Niedersachsenbrücke) nördlich vom Rüstersieler Groden sowie Vorbereitungen zur Landgewinnung von weiteren 1600 ha im Voslapper Watt nördlich des Rüstersieler Groden. Die Aufspülung und Eindeichung dauerte von April 1971 bis Dezember 1974.

Auf diesem neu aufgespülten Voslapper Groden wurde ein weiteres Unternehmen aus dem Bereich der Mineralölwirtschaft angesiedelt. Die Mobil Oil AG errichtete in nur 2 Jahren Bauzeit eine moderne Mineralölraffinerie. Mit der Mobil-Oil-Brücke entstand nach der NWO Tankerlöschbrücke und der Niedersachsenbrücke die dritte Schiffsumschlagsbrücke in der Jade. Am 14. September 1976 wurde die größte neu erbaute Raffinerie der Bundesrepublik in Betrieb genommen.

Parallel entstand bis 1976 das 720 MW- Kohlekraftwerk auf dem Rüstersieler Groden. Eingeweiht wurde das von den Nordwestdeutschen Kraftwerke AG (NWK) für 520 Mio DM gebaute Kraftwerk am 22. Oktober 1976. Ein Viertel der Kosten des nicht unumstrittenen Kraftwerkes flossen in den Schutz der Umwelt.

Als letztes Großprojekt am tiefen Jadefahrwasser entsteht ab 1977 auf einem 320 ha großen Areal im neuaufgespülten Voslapper Groden ein Chemiewerk der ICI (Imperial Chemical Industries Ltd). Mit dem ICI-Werk entsteht auch die 4. Schiffslöschbrücke mit Anleger in der Außenjade. Nach einer Bauzeit von ca. 4 Jahren nimmt das ICI-Werk 1981 den Betrieb auf. Produziert werden Vinylchloridmonomer (VCM) und Polyvinylchlorid (PVC). Ausgangsrohstoff ist das Chlor, welches von der ICI-Atlantik (ehemals Alusuisse) auf dem Rüstersieler Groden produziert wird und durch eine 12 km lange Rohrleitung zum ICI-Werk auf dem Voslapper Groden transportiert wird.

Zeitversetzt zur seewärtigen Hafenausrichtung erfolgte mit dem "Hafenauseinandersetzungsvertrag" vom 20 März 1975 die Übertragung der bis dahin in Bundesbesitz befindlichen Hafeneinrichtungen und -flächen auf die Stadt Wilhelmshaven und das Land Niedersachsen. 180,5 ha Wasser- und 149 ha Landflächen gingen in den Eigentum der Stadt Wilhelmshaven, das Land Niedersachsen erhielt 49,5 ha Wasser- und 114 ha Landflächen. Jedoch gingen noch Jahre ins Land ehe die Entwicklung des Binnenhafen gezielter gefördert wurde. So konnte man sich z.B. in den Jahren zwischen 1978 und 1983  politisch nicht auf einen seeschifftiefen Wasseranschluss für die Firma Krupp-Kranbau einigen, da die damit verbundenen Öffnung des Grodendammes zwischen den Parteien eine tiefe Kontroverse auslöste. Letztendlich bliebt der Grodendamm bestehen.

Infrastrukurmäßig wurde die Anbindung Wilhelmshaven an das Hinterland durch die Herstellung des letzten Teilabschnittes der A29 - Jadelinie - verbessert. Ab 17. April 1984 wurde das letzte rund 18,3 km lange Teilstück von Zetel nach Wilhelmshaven freigegeben. 16 Jahre hatte es gedauert, die 91,7 km lange und 680 Mio. DM teure Anbindung an die A1 - Hansalinie - bei Ahlhorn fertigzustellen.

Wilhelmshavens positive Entwicklung zum einzigen deutschen Tiefwasserhafen und die damit verbundene industrielle Besiedlung der seewärtigen neu entstandenen Grodenflächen (NWO im Heppenser Groden, Kraftwerk und ICI Atlantik im Rüstersieler Groden sowie die Mobil Oil Raffinerie und ICI im Voslapper Groden) endete bedingt durch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung in den frühen 90er Jahren. Ein geringerer Energiebedarf, ausgelöst durch die Ölpreiskrise von 1979, führte zu einem drastischen Rückgang beim Verbrauch von Mineralöl und -produkten. Der Ölumschlag bei der NWO ging dramatisch zurück und die Mobil Oil Raffinerie legte 1984 zwei wirtschaftsbedingte Zwangspausen von mehreren Wochen ein. Zum 1. April 1985 wurde die Raffinerie aufgrund der mit ihr verbundenen hohen Verluste stillgelegt und "eingemottet".
Im Baugewerbe ging die Auftragslage nach den "fetten" Jahre der Ansiedlung von Großindustrieunternehmen rapide zurück. Der damit verbundene Rückgang des städtischen Steueraufkommens traf die Stadt Wilhelmshaven (immerhin der zweitgrößte Arbeitgeber nach der Marine) hart, man verhängte Einstellungsstops und Wiederbesetzungssperren. Investitionen mußten immer häufiger gestreckt oder ganz eingestellt werden. Da auch der Bund den städtischen Kommunen immer mehr Zusatzleistungen übertrug, geriet der Haushalt immer mehr in Schieflage. Die Wiedervereinigung Deutschland und die damit verbundenen Lasten der Kommunen trugen ihren Teil bei. Die Verschuldung des städtischen Haushalt erreichte 1995 die 294 Mio. DM Grenze und veranlasste die Kommunalaufsicht der Bezirksregierung Weser-Ems zum Eingreifen..
Parallel verlief die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt weiterhin negativ. Der hohe Rückgang der Arbeitsplätze traf in erster Linie die Beschäftigten der Betriebe der Metall- und Textilindustrie, die sich in Wilhelmshaven in der Nachkriegszeit neu angesiedelt hatten. Zahllose Firmen mussten schliessen oder ihre Belegschaften drastisch reduzieren. Betroffen waren Firmen wie die Maschinenfabrik Schlafhorst & Co., die Kammgarnspinnerei Wilhelmshaven AG (KSW), die Kammgarnspinnerei Müller&Raschig KG, die Maschinenbaufirma Helmut Lotze, die Firma Präzisionsmechanik und Maschinenbau Franz Kuhlmann, die Firma Kocks Krane GmbH, die Firma Förderanlagen und Maschinenbau GmbH (FMW) und die AEG Olympia GmbH.

Gerade die letztgenannte Firma ist symptomatisch für den Niedergang der wirtschaftlichen Region Wilhelmshaven/Friesland. Das vor den Toren der Stadt in Roffhausen ansässige Schreibmaschinenwerk hatte bis 1970 einen kontinuierlichen Anstieg der Beschäftigungszahlen zu verzeichnen. Bis zu 10.000 Menschen beschäftigte das Werk. Mit der Entwicklung des Personalcomputer, der die Schreibmaschine als Textverarbeitungssystem immer stärker verdrängte, begann der Niedergang des bis dahin größten Industrieunternehmens der Region. Die Verluste des Unternehmens stiegen und die Beschäftigungszahlen sanken. 1986 wurde die im Besitz der AEG befindlichen Olympia Werke dem Daimler-Benz-Konzern einverleibt. Trotz einer Bestandsgarantie durch den AEG-Vorstand Heinz Dürr verliefen alle Versuche im Sande, das Unternehmen Olympia auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen. Im Mai 1991 wurde erstmals die Möglichkeit einer Schließung erwogen. Die verbliebenen 2600 Beschäftigten initiierten daraufhin zahlreiche regionale und überregionale Protestaktionen, die in ganz Deutschland große Aufmerksamkeit erregten. Trotzdem wurde am 31. Dezember 1992 der stufenweise Ausstieg des DaimlerBenzKonzern auf der Büromaschinenproduktion beschlossen. Für viele Beschäftige wurden sozialverträgliche Lösungen gefunden oder sie fanden in einer der Nachfolgefirmen auf dem ehemaligen Olympia-Gelände Beschäftigung, welches als Technologie Centrum Nordwest (TCN) bekannt wird. Bis zum Jahre 2001 werden im TCN Unternehmen angesiedelt, die ca. 3000 Menschen Arbeitsplätze bieten, in erster Linie Arbeitsplätze in der Telekommunikationsbranche.

Die fehlgeschlagene Wirtschaftspolitik der Stadt Wilhelmshaven, die sich seit 1970 schwerpunktmäßig nur auf die Großindustrieansiedlungen am tiefen Jadefahrwasser konzentrierte, leitet ab 1985 (ausgelöst durch die Schließung der Mobil-Oil-Raffinerie) ein Umdenken in der Wirtschaftsförderung der Stadt ein. Ziel war der Ausbau der lokaler Strukturen und die Stärkung der regionalen Wirtschaftskraft. Im Mittelpunkt standen die Weiterentwicklung der Binnenhafenaktivitäten, die Förderung von mittelständischen Industrie- und Handwerksbetrieben, der Ausbau der Freizeitwirtschaft und die Stärkung des Forschungsstandortes Wilhelmshaven. Erste Erfolge gelangen schon 1985, als die Stadt in das Städtebauförderungsprogramm des Landes aufgenommen wurde. Mit Hilfe dieses Programmes wurde die Innenstadtsanierung im Citybereich in Angriff genommen. Das Sanierungsgebiet wurde im Norden von der Peterstr., im Westen von der Werftstr., im Osten von der Virchowstr. und im Süden vom Bahnhofsgelände begrenzt. Die Sanierung beinhaltete mehrere Schwerpunkte. Zum einen die Umgestaltung des Börsenplatzes mit der Schließung von Baulücken und die Ausweitung und Modernisierung der Fußgängerzone. So wurde der neue Börsenplatz und die Kieler Str. südlich der Börsenstr. in die neue Fußgängerzone einbezogen. Desweiteren wurden die südlichen Teile der Park-, Grenz- und Mozartstr. in die Fußgängerzone der Marktstr. integriert.

Daran schlossen sich in den folgenden Jahren weitere Baumassnahmen im Citybereich an. Höhepunkt war dabei wohl die Errichtung der Nordseepassage (Arbeitstitel Bahnhofszentrum). Mit der Nordseepassage wurde ein wirkliches Zentrum in Wilhelmshaven geschaffen. Auf einer Gesamtnutzungsfläche von über 33.800 m² lädt das am 4. September 1997 eröffnete Einkaufscenter auf zwei Ebenen mit einem Branchenmix von mehr als 60 Einzelhandelsgeschäften, Cafés und Galerien zum Bummeln und Shopping unter einer schützenden Dachverglasung ein. Mit seiner Lage direkt im Zentrum von Wilhelmshaven und seiner idealen Verkehrsanbindung (die Gleise der deutschen Bundesbahn laufen direkt in das Gebäude der Nordseepassage und auf der gegenüber liegenden Seite ist der Busbahn der Stadt beheimatet) kann stressige Parkplatzsuche im Stadtkern angenehmerweise umgangen werden. Für diejenigen Besucher, die trotzdem nicht auf Ihr Auto verzichten können oder wollen, hält die Nordseepassage auch ein eigenes Parkhaus bereit, welches von der Nord- bzw. Südseite des Gebäudes angefahren werden kann.
Weiter wurde der Innenstadtbereich mit der Neugestaltung des Valoisplatzes an der Südseite der Nordseepassage, dem neuen Verwaltungs- und Bürogebäude der Techniker Krankenkasse und dem an die Nordseepassage anschließenden "Kinopolis"-Gebäude aufgewertet. Das "Kinopolis"-Gebäude bietet Kinos für ca. 1800 Personen, eine Diskothek sowie Räume für ein Fitness-Zentrum. Die Bahnhofsstraße wurde während dieser Baumaßnahmen parallel zu den Bahngleisen bis zur Werftstr. durchgebaut. Die Sparkasse setzt mit Ihrer neuen Sparkassenzentrale am Theaterplatz einen weiteren Akzent. Zwischen Mai 1998 und Mai 2000 wurde das alte Hauptstellengebäude der Sparkasse weitestgehend entkernt und dann grundlegend um- und ausgebaut. Einher geht dabei die Umgestaltung des Theaterplatz vom tristen Parkplatz zum einem städtischen Schmuckstück.

Zur Verbesserung des Stadtbildes trugen auch die verschiedenen Bauvorhaben von Landes- und Bundesbehörden bei. Zu nennen sind das Arbeitsgericht in der Zedeliusstraße (1985), die Künstlersozialkasse im Gebäude des ehemaligen Marine-Observatoriums an der Langeoogstraße (1983), das niedersächsische Hafenamt an der Weser-/Ecke Neckarstraße (1985), das Amtsgericht in der Marktstraße (1985), das Arbeitsamt in der Schillerstraße (1996) und die Bundesausführungsbehörde für Unfallversicherung (BAFU) im ehemaligen Gebäude des Marinelazaretts in der Rheinstraße (2000). Sie alle setzten mit ihren Bauvorhaben städtepolitische Akzente.

Durch die Neugestaltung des ursprünglich 1928 eingeweihten Südstrandes entstand die "Schokoladenseite" der Stadt. 1980 wurde hinter den Strandhäusern der Neubau der Südstrandstraße durchgeführt, so daß die Südstrandpromenade, die bisher für den Autoverkehr freigegeben war, zur Fußgängerzone wurde. Ab 1983 wurden am Jade-Busen schrittweise Deicherhöhungsmaßnahmen vorgenommen. Im Zuge dieser Baumaßnahmen erarbeiteten die Stadt Wilhelmshaven und das Wasserwirtschaftsamt Brake einen gemeinsamen Plan zur Neugestaltung der Südstrandpromenade. Der Deich wurde verstärkt und man errichte auf der Deichkrone im Südstrandbereich eine 650 m lange und 1 m hohe verkleinerte Mauer. Zeitgleich erfolgte eine Sanierung der Strandhäuser und der Kolonnaden. Die Promenade wurde komplett neu gepflastert und durch eine Vielzahl gestalterische Elemente wie Plätze, Terrassen sowie 2 kleiner Häuschen mit Kupferdächern verschönert. Für die Umgestaltung erhielt die Stadt Wilhelmshaven 1986 eine Auszeichnung für naturnahes Bauen. Die Südstrandpromenade ist seither beliebtes Ausflugsziel nicht nur bei schönem Sonnenwetter. Hotels und Gaststätten laden mit ihren Terrassen und Biergärten zum Verweilen ein.

Zum Jahrtausendwechsel wehte ein Hauch von Weltausstellung durch Wilhelmshaven. Im Rahmen der Weltausstellung Expo2000 in Hannover wurde Wilhelmshaven mit seinem Konzept "Expo am Meer" offizieller Außenstandort der Expo2000. Passend zum Leitthema der Expo2000 "Mensch-Natur-Technik" präsentierte die "Expo am Meer" vom 1. Juni 2000 bis zum 31. Oktober 2000 ein vielfältiges Ausstellungsprogramm mit den Themenbereichen Umwelt, Leben an der Küste, Klimawandel, Seefahrt und Technik sowie Kommunikation und Arbeit. Das Programm wurde mit Hilfe unterschiedlicher Ausstellungen, Veranstaltungen und Projekte umgesetzt.
Highlight der "Expo am Meer" war die virtuelle Unterwasserstation "Oceanis". Die Sparkasse Wilhelmshaven holte die bereits auf der Expo1998 in Portugal mit großem Erfolg gezeigte Ausstellung nach Wilhelmshaven und gründete für den Betrieb extra die Oceanis AG, eine 100%ige Tochterfirma der Sparkasse. Der Erfolg von Oceanis blieb auch in Wilhelmshaven nicht aus. Mit knapp 300.000 Besuchern war die Unterwasserstation am Bontekai die mit Abstand erfolgreichste Ausstellung während der "Expo am Meer". Weitere Dauerausstellungen wurden  in den renovierten Räumlichkeiten der ehemaligen Jahn-Halle (heute Sitz des Küstenmuseums am Bontekai) und in der Ebertstr. gegenüber der Nordseepassage gezeigt. Zahlreiche Einrichtungen und Firmen beteiligten sich ebenfalls an der "Expo am Meer", so wurde z.B. im Wattenmeerhaus mit Hilfe von Sponsoren ein Sturmerlebnisraum eingerichtet. Mit dem "Außerschulischen Lernort Wilhelmshaven" wurde ein Modellversuch gestartet, der es Kindern, Jugendlichen und Lehrern ermöglicht, sich außerhalb der Schule handlungsorientiert mit naturwissenschaftlichen und technischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Maritime Veranstaltungshöhepunkte zur "Expo am Meer" waren das alljährliche "Wochenende an der Jade" und die vom 6. September bis 10. September 2000 stattfindende "Sail & Steam", ein  ungewöhnliches Aufeinandertreffen von Traditionssegelschiffen und Dampfschiff-Oldtimern. Die Expo am Meer brachte der Stadt einerseits einen hohen Imagegewinn bei überregionaler Beachtung, anderseits hinterließ sie ein finanzielles Debakel, insbesondere weil die anvisierten Besucherzahlen bei weitem nicht erreicht wurden. Insbesondere die städtische Tochtergesellschaft "Wilhelmshavener Tourismus und Freizeit GmbH" (WTF) litt noch jahrelang an den "Expo am Meer" - Nachwehen.

Am 29. Mai 2008 startete Niedersachsens Wirtschaftsminister Hirche offiziell den Bau des JadeWeserPorts in Wilhelmshaven. Das Gemeinschaftsprojekt der Bundesländer Niedersachen und Bremen ...



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